Geschichte

1850 bis 1918
Lange Zeit war es keine Selbstverständlichkeit, dass Petershagen eine Feuerwehr hat. Noch bis nach 1900 wurden in Petershagen Brände von den Einwohnern selbst bekämpft. Hierfür stand zuletzt eine 1857 gebaute Feuerwehrspritze mit 30 Metern Schlauch, zwei Leitern, zwei Feuerhacken und einem Feuereimer zur Verfügung. 

1907 wurde dann die Feuerwehr Petershagen gegründet. Hierzu fand am 24. März 1907 im alten Schulhaus eine Gründungsversammlung statt. Gründungsmitglieder waren die zwölf Bürger Wilhelm Abel, Gustav Bredereke, Paul Bredereke, Paul Lindholz, Martin Huhn, Max Rau, Emil Schulz, Paul Babock, Franz Petermann, Otto Schirmer, Paul Hußmann und Max Kurth.

Während des ersten Weltkrieges hielten vier Kameraden im Ort die Wehr aufrecht. 

Die Zwanzigerjahre
Nach dem Krieg traten weitere Freiwillige in die Feuerwehr ein und verstärkten das Team. 1921 errichteten sie gemeinsam einen neuen Steigerturm. Das nötige Holz hierfür hatten Bauern des Ortes gespendet.

In den 1920er-Jahren entwickelte sich Petershagen stetig weiter. Die Ausrüstung der Feuerwehr blieb jedoch weitgehend gleich. Lediglich eine neue Spritze wurde angeschafft. Die Bürger legten daher zusammen und spendeten 69.000 Mark für einen Schlauchwagen. Leider verlor dieses Geld durch die Inflation seinen Wert, bevor der Wagen angeschafft werden konnte.

25 Jahre Feuerwehr Petershagen 
1932 wurde das Gerätehaus in der Eggersdorfer Straße neben dem Krugpfuhl neu errichtet. Es bestand aus dem Schlauchtrocken- und Steigerturm, zwei Fahrzeughallen, einer Werkstatt und einem Mannschaftsraum. Sanitärräume waren nicht vorhanden. Lediglich eine Wanne diente zum Waschen der Schläuche. Die Einweihung des Gerätehauses fand am 05.06.1932 anlässlich des 25. Jubiläums der Wehr statt. Die damalige Presse bezeichnete das Gebäude als „Prachtbau“.

Ursprünglich sollte das Gerätehaus aufgestockt werden, um in den oberen Räumen das Rathaus einzurichten. Aus diesem Grund wurde die benachbarte Apotheke „Ratsapotheke” benannt. Diese Pläne wurden aber nicht ausgeführt.

Die Feuerwehr im Dritten Reich
Ab 1934 gehörte die Freiwillige Feuerwehr Petershagen als Halblöschzug zur Amtsfeuerwehr Fredersdorf, die sich aus den Wehren Fredersdorf, Petershagen, Eggersdorf und Vogelsdorf zusammensetzte. In dieser Zeit wurden in den Feuerwehren auch Jugendfeuerwehren als Teil der Hitlerjugend, die so genannten HJ-Feuerwehrscharen, gebildet. 

Während des zweiten Weltkrieges war im Petershagener Feuerwehrgerätehaus auch ein Sanitätsstützpunkt untergebracht. Durch Verpflichtungen zum Notdienst konnte der Personalbestand auch in den Kriegsjahren bis 1945 aufrechterhalten werden. Die Sollstärke betrug 1942 in Petershagen 63 Mann. Um diese zu erreichen, wurden auch Frauen als Feuerwehrhelferinnen herangezogen.

Zur Brandbekämpfung nach den schweren Luftangriffen auf die Reichshauptstadt Berlin wurde der Halblöschzug Petershagen mit anderen Feuerwehren des Berliner Umlandes u.a. mehrmals im Stadtbezirk Moabit eingesetzt.

Vom Wiederaufbau bis zu den 1960er-Jahren
Nach Ende des Krieges regte Ernst Kandzia 1945 den Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr an und wurde vom sowjetischen Ortskommandanten zum Wehrleiter berufen.
Mit Unterstützung des Gemeinderates und dank der Spenden der Bevölkerung von Petershagen konnte ein amerikanischer Armeewagen vom Typ „Dodge“ beschafft werden. Er wurde von den Kameraden zu einem Mannschaftswagen und Zugfahrzeug umgebaut.

Die Kameraden bauten sich zudem in dieser Zeit auf dem Feuerwehrgelände eine 100-Meter- und 500-Meter-Hindernisbahn.

1957 wurde Kamerad Gerhard Günzler zum Wehrleiter berufen. Stellvertreter waren Horst Breseke und Manfred Gundel.
 
1961 übernahm die Feuerwehr Petershagen ein DDR-Löschgruppenfahrzeug vom Typ Garant aus Eggersdorf, da die dortige Freiwillige Feuerwehr zu dieser Zeit nicht über genügend Einsatzkräfte verfügte, um das Fahrzeug auszunutzen.
 
1964 bildete Löschmeister Günther Eidekorn die erste Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer" in Petershagen, aus der später viele aktive Feuerwehrmänner hervorgegangen sind.

Neue Ausrüstung in den 1970er- und 1980er-Jahren
Krankheitsbedingt musste Brandmeister Thiel die Leitung der Feuerwehr 1975 abgeben. Neuer Wehrleiter wurde der Unterbrandmeister Hans-Dieter Kandzia. Stellvertreter wurden die Oberlöschmeister Rüdiger Hagen, Gerhard Schulze und Manfred Gundel.

1976 wurde das Löschgruppenfahrzeug in Petershagen mit Sprechfunk ausgerüstet. Die Leitstelle übernahm der Operative Diensthabende des Volkspolizeikreisamtes in Strausberg.

1981 erhielt die Feuerwehr als Ersatzinvestition ein neues Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 8–LKW mit Schlauchtransportanhänger. Das alte Fahrzeug wurde an die Freiwillige Feuerwehr Waldsieversdorf übergeben und dort weiter genutzt.

Anfang 1987 bekam die Freiwilligen Feuerwehr Petershagen ein bisher in Rehfelde genutztes Tanklöschfahrzeug TLF 15 auf Armeefahrgestell G 5. Damit konnten insbesondere die Probleme des überalterten und defekten Hydrantennetzes überbrückt werden.

Aus der AG „Junge Brandschutzhelfer“ wurde die Jugendfeuerwehr Petershagen im Deutschen Feuerwehrverband. Erster Jugendfeuerwehrwart in Petershagen war Unterbrandmeister Kai Guleikoff.

Doppeldorf Petershagen/Eggersdorf
Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit der Stadt Petershagen in Westfalen wurde unserer Feuerwehr am 10.11.1990 ein bisher in der dortigen Löschgruppe Ovenstädt genutztes Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) übergeben.

Im Sommer 1992 wurde die Sirenenalarmierung durch Funkalarmempfänger ersetzt. Diese tragbaren Funkgeräte können die Kameraden ständig bei sich führen. Seitdem wird die Bevölkerung nur noch in Ausnahmefällen durch Sirenengeheul gestört.

Für Hilfeleistungen, insbesondere bei Sturmeinsätzen, wurde eine gebrauchte Anhängeleiter beschafft, die bei Bedarf vor Ort ausgefahren werden kann.

Mit der Gründung des Doppeldorfes Petershagen/Eggersdorf wurde aus der selbstständigen Feuerwehr Petershagen eine Ortsfeuerwehr. Sie bildet zusammen mit der Ortsfeuerwehr Eggersdorf die Gemeindefeuerwehr Petershagen/Eggersdorf. Die Gemeindevertretung berief im April 1994 den Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen, Hans-Dieter Kandzia, für die Dauer von sechs Jahren zum Gemeindebrandmeister. Anfang 1995 wurde Kamerad Hauptfeuerwehrmann Thomas Gundel als neuer Jugendfeuerwehrwart eingesetzt.

Im April 1995 wurde mit Landes- und Gemeindemitteln ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/45 angeschafft. Dieses Fahrzeug ist sehr geländegängig und führt 4.500 Liter Wasser mit. Es ist speziell für die Waldbrandbekämpfung gut geeignet.

Im September 1996 errichtete die Freiwillige Feuerwehr eigenhändig eine Fertigteil-Fahrzeughalle. Hier können die Feuerwehrfahrzeuge und Anhänger ordnungsgemäßen untergestellt werden. Im April des folgenden Jahres wurde die Vorfläche der neuen Fahrzeughalle gepflastert und somit befestigt. In diesem Jahr bauten die Kameraden außerdem einen Schlauchboot-Anhänger. Auch die Anhängeleiter wurde mit eigenen Kräften generalüberholt.

Im Oktober 1999 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 übergeben. Dieses Fahrzeug ist neben den normalen Brandbekämpfungsmitteln mit einem 600-Liter-Wassertank und hydraulischen Schneid- und Spreizgeräten zum Retten und Bergen ausgerüstet.

Das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8 - LKW haben wir einer Feuerwehr im Oderbruch überlassen.
 
ABC-ErkKw seit 2002
Um den Katastrophenschutz zu verbessern, wurde der Freiwilligen Feierwehr Petershagen im Sommer 2002 als erster Feuerwehr im Landkreis Märkisch-Oderland ein ABC-Erkundungsfahrzeug zur Verfügung gestellt. Mit dem Fahrzeug können wir Messungen durchführen, Proben entnehmen sowie atomare, biologische und chemische Gefahrstoffen kennzeichnen.

Mitte 2003 wurde Löschmeister Bernd Brauner neuer Jugendfeuerwehrwart. 

Im Sommer 2004 begannen am Gerätehaus umfangreiche Bauarbeiten. Das Gerätehaus wurde bis auf den Turm abgerissen und dafür ein zweigeschossiger Neubau mit vier Fahrzeugstellplätzen und Schulungs-, Büro-, Werkstatt- und Sanitärräumen errichtet. Gleichzeitig wurden auch die Außenanlagen neu gestaltet. Während der Bauarbeiten wurden die sanierten Fertigteilgaragen übergangsweise als Gerätehaus genutzt.

Anfang 2005 feierte Gemeindebrandmeister Hans-Dieter Kandzia sein 30-jähriges Dienstjubiläum als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen. Seine Amtszeit als Wehrführer ist damit die bisher längste in der Geschichte der Petershagener Feuerwehr.

Die Gemeindevertreterversammlung beschloss, eine Straße in einer neuen Wohnsiedlung hinter dem Feuerwehrgerätehaus nach dem Gründer der Freiwilligen Feuerwehr „Wilhelm-Abel-Weg“ zu benennen.

Im September 2005 wurde mit einer feierlichen Schlüsselübergabe das erweiterte Gerätehaus der Feuerwehr Petershagen übergeben. Zum gleichen Anlass konnte auch ein gebraucht erworbener Kleinbus als neuer Mannschaftstransportwagen in Dienst gestellt werden.

Im Jahr 2008 wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug aus der Partnerstadt Petershagen/Weser endgültig wegen Verschleiß ausgemustert und verkauft.

Im gleichen Jahr unterstützten wir einen jungen leukämiekranken Kameraden mit einem Aufruf zur Knochenmarkspende, dem hunderte Bürger und Feuerwehrleute aus ganz Brandenburg folgten. Auch der Landesbranddirektor Henry Merz und der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Manfred Gerdes besuchten aus diesem Anlass das Gerätehaus in Petershagen.

Um bei umsturzgefährdeten Bäumen nach heftigen Stürmen besser Hilfe leisten zu können, wurde 2009 von der Gemeinde eine Hebebühne beschafft, die gemeinsam von den Feuerwehren Petershagen, Eggersdorf und dem Bauhof der Gemeinde genutzt wird. Dank dieser Hebebühne konnte die alte Anhängeleiter ausgemustert und verkauft werden. Sie entsprach ohnehin nicht mehr den Unfallvorschriften. 

Als Einsatzfahrzeug für die immer mehr werdenden technischen Hilfeleistungen konnte im November 2010 mit Mitteln des Bundes ein moderner Rüstwagen mit umfangreichem Werkzeug und Material angeschafft werden. Als besonderes Ausstattungsmerkmal verfügt der Rüstwagen über den Rettungssatz „Bahn“ mit zwei Schienenrollwagen, Rettungsplattform und Schleifkorbtragen. Der Rettungssatz „Bahn“ wurde einst von der Deutschen Bahn AG an den Landkreis übergeben.

2010 bis heute 
2011 war mit 87 Einsätzen das bisher einsatzreichste Jahr in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen.

Im Februar 2012 beendete der Gemeindebrandmeister Kandzia nach 37 Jahren die zuletzt in Personalunion durchgeführte Tätigkeit als Petershagener Wehrführer.

Zum neuen Ortswehrführer in Petershagen wurde Oberbrandmeister Marco Rutter ernannt. Dieser wurde im gleichen Jahr auch zum Gemeindewehrführer und damit in die Verantwortung für beide Ortsfeuerwehren berufen.

Als 2015 der bisher genutzte Mannschaftstransportwagen wegen eines Getriebeschadens unerwartet seinen Dienst quittierte, musste kurzfristig für Ersatz gesorgt werden. Abhilfe schaffte ein Kleinbus aus dem Jahre 2013, der gebraucht erworben und eigens umgerüstet wurde.

Im Jahr 2017 übernahm Oberbrandmeister Tom Kluska die Ortswehrführer. Ihm zur Seite stehend, wurden Oberbrandmeister Wolfgang Zehbe und Hauptbrandmeister Mario Eidekorn als Stellvertreter eingesetzt. Die Berufung nahm Gemeindewehrführer Marco Rutter anlässlich des Empfangs zum 110-jährigen Bestehen der Wehr vor, der sich nun verstärkt auf Sicherheitsfragen im Kontext der dynamischen Ortsentwicklung wie auch die Gewährleistung eines einheitlichen Ausbildungs- und Ausrüstungsniveaus der beiden Ortsfeuerwehren konzentrierte. Eine erste Amtshandlung blieb der neuen Ortswehrführung an diesem Abend nicht erspart, vom amtierenden Bürgermeister übernahm sie den symbolischen Schlüssel für das neue Tanklöschfahrzeug.

Nach 22 Jahren im Einsatzdienst stand die Ersatzbeschaffung für das bisher genutzten Tanklöschfahrzeugs an. Ohne Zuteilung einer Förderung war die Gemeinde gezwungen, die Investition von rund 280.000 Euro aus eigener Kraft zu bestreiten. Dies war im Bündnis von Kommunalverwaltung und Gemeindevertretung gelungen - trotz oder gerade wegen der enormen Investitionen in Schulen und Kitas. Mit dem neuen Fahrzeug stand nun für die öffentliche Gefahrenabwehr ein vielseitig einsetzbares, sehr schlagkräftige Arbeitsgerät zur Verfügung. Allein der große Löschwasservorrat ‎von 5.000 Litern Wasser gestattete bereits von Beginn an eine umfassende und wirkungsvolle Brandbekämpfung - auch abseits des inneren Siedlungsgebietes und unabhängig von Hydranten. Verschiedene Entnahmehilfen - wie für die Leitern auf dem Dach - reduzierten von nun an den Aufwand und verbessern die Abläufe an den Einsatzstellen. Mit der im Vergleich zum Vorgänger deutlich umfangreicheren Ausstattung wurde zudem das Arbeiten sicherer. So stand endlich auch eine leistungsfähige Einsatzstellenbeleuchtung zur Verfügung.