Chronik der Feuerwehr Petershagen

Noch bis nach 1900 wurden in Petershagen Brände von den Einwohnern selbst bekämpft. Es stand zuletzt dafür eine im Jahre 1857 gebaute Feuerwehrspritze mit 30 m Schlauch, 2 Leitern, 2 Feuerhacken und einem Feuereimer zur Verfügung. Am 24. März 1907 fand im alten Schulhaus die Gründungsversammlung statt. 12 Bürger, Wilhelm Abel, Gustav Bredereke, Paul Bredereke, Paul Lindholz, Martin Huhn, Max Rau, Emil Schulz, Paul Babock, Franz Petermann, Otto Schirmer, Paul Hußmann und Max Kurth, waren die Gründungsmitglieder.

Feuerwehr Petershagen 1912 mit Handruckspritze
Feuerwehr Petershagen 1912 mit Handruckspritze

Während des 1. Weltkrieges hielten 4 Kameraden im Ort die Wehr aufrecht. Nach dem Kriege wurde die Feuerwehr durch Neueintritte verstärkt. 1921 spendeten die Bauern des Ortes unentgeltlich Holz für einen neuen Steigerturm, der auf dem Schulhof errichtet wurde. Zu dieser Zeit entwickelte sich Petershagen immer mehr, die Ausrüstung der Feuerwehr blieb jedoch, bis auf eine neue Spritze, wie zur Zeit der Gründung. Die Bürger spendeten deshalb für einen Schlauchwagen 69.000 Mark. Dieses Geld verlor jedoch durch die Inflation seinen Wert.

Feuerwehr Petershagen in der Nordkolonie mit Handruckspritze
Feuerwehr Petershagen in der Nordkolonie mit Handruckspritze
Feuerwehrdepot Petershagen, erbaut 1932
Feuerwehrdepot Petershagen, erbaut 1932

1932 wurde das Gerätehaus in der  Eggersdorfer Straße neben dem Krugpfuhl neu gebaut. Es bestand aus dem Schlauchtrocken- und Steigerturm, 2 Fahrzeughallen, einer Werkstatt und einem Mannschaftsraum. Sanitärräume waren nicht vorhanden.  Dafür gab es eine Wanne zum Waschen der Schläuche.

 

Die damalige Presse bezeichnete das Gebäude als „Prachtbau“.

Ursprünglich war geplant, das Gebäude aufzustocken, um in den oberen Räumen das Rathaus einzurichten. Aus diesem Grund wurde die benachbarte Apotheke „Ratsapotheke” genannt. Die Einweihung des Gerätehauses fand am 05.06.1932 anlässlich des 25. Jubiläums der Wehr statt.

 

Die Freiwillige Feuerwehr Petershagen hatte ab 1934 die Bezeichnung Halblöschzug und gehörte zur Amtsfeuerwehr Fredersdorf, die sich aus den Wehren Fredersdorf, Petershagen, Eggersdorf und Vogelsdorf zusammensetzte.

 

In den Feuerwehren wurden auch Jugendfeuerwehren als Teil der Hitlerjugend, die so genannten HJ-Feuerwehrscharen, gebildet.

 

Während des 2. Weltkrieges war im Feuerwehrgerätehaus auch ein Sanitätsstützpunkt untergebracht.

 

Die Aufrechterhaltung des Personalbestandes, die Sollstärke betrug 1942 in Petershagen 63 Mann, erfolgte in den Kriegsjahren bis 1945 durch Notdienstverpflichtungen. Hier wurden auch Frauen als Feuerwehrhelferinnen herangezogen.

 

Zur Brandbekämpfung nach den schweren Luftangriffen auf die Reichshauptstadt Berlin war der Halblöschzug Petershagen mit anderen Feuerwehren des Berliner Umlandes u.a. mehrmals im Stadtbezirk Moabit eingesetzt.

 

Nach Beendigung des großen Weltenbrandes regte Kamerad Ernst Kandzia 1945 den Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr an und wurde vom sowjetischen Ortskommandanten zum Wehrleiter berufen.

Feuerwehr Petershagen 1947 zum 40. Jubiläum
Feuerwehr Petershagen 1947 zum 40. Jubiläum
Der Dodge als Einsatzfahrzeug von 1954 - 1961
Der Dodge als Einsatzfahrzeug von 1954 - 1961

Mit Unterstützung des Rates der Gemeinde und Spenden der Bevölkerung von Petershagen konnte ein amerikanischer Armeewagen vom Typ „Dodge“ beschafft werden, der von den Kameraden zu einem Mannschaftswagen und Zugfahrzeug umgebaut wurde.

Die Kameraden bauten sich in dieser Zeit auf dem Feuerwehrgelände eine 100 m und 500 m Hindernisbahn.

 

1957 wurde Kamerad Gerhard Günzler zum Wehrleiter berufen. Stellvertreter waren Horst Breseke und Manfred Gundel.

 

1961 übernahm die Feuerwehr Petershagen ein DDR-Löschgruppenfahrzeug vom Typ Garant aus Eggersdorf, da die dortige Freiwillige Feuerwehr zu dieser Zeit nicht über genügend Einsatzkräfte verfügte.

 

1964 wurde durch den Löschmeister Günther Eidekorn die erste Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer" in Petershagen gebildet, aus der später viele aktive Feuerwehrmänner hervorgegangen sind.

AG Junge Brandschutzhelfer mit ihrem Leiter Günter Eidekorn 1967
AG Junge Brandschutzhelfer mit ihrem Leiter Günter Eidekorn 1967

Infolge Krankheit musste 1975 Brandmeister Thiel die Leitung der Feuerwehr abgeben. Neuer Wehrleiter wurde der Unterbrandmeister Hans–Dieter Kandzia. Stellvertreter wurden die Oberlöschmeister Rüdiger Hagen, Gerhard Schulze und Manfred Gundel.

 

1976 wurde das Löschgruppenfahrzeug in Petershagen mit Sprechfunk ausgerüstet. Die Leitstelle war beim Operativen Diensthabenden des Volkspolizeikreisamtes in Strausberg.

Feuerwehr Petershagen 1977 zum 70. Jubiläum
Feuerwehr Petershagen 1977 zum 70. Jubiläum

1981 erhielt die Feuerwehr als Ersatzinvestition ein neues Löschgruppenfahrzeug

LF 8–LKW mit Schlauchtransportanhänger.

Das alte Fahrzeug wurde in der Freiwilligen Feuerwehr Waldsieversdorf noch weiter

genutzt.

 

Anfang 1987 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen ein bisher in Rehfelde genutztes Tanklöschfahrzeug TLF 15 auf Armeefahrgestell G 5 übergeben.

Damit konnten insbesondere Probleme des überalterten und defekten Hydrantennetzes überbrückt werden.

 

Aus der AG „Junge Brandschutzhelfer " wurde die Jugendfeuerwehr Petershagen im Deutschen Feuerwehrverband. Erster Jugendfeuerwehrwart in Petershagen war Unterbrandmeister Kai Guleikoff.

 

Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit der Stadt Petershagen in Westfalen wurde unserer Feuerwehr am 10.11.1990 ein bisher in der dortigen Löschgruppe Ovenstädt genutztes Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) übergeben.

 

Im Sommer 1992 wurde die Alarmierung von der Sirenenalarmierung auf tragbare, ständig bei sich zuführende Funkalarmempfänger umgestellt.

Seitdem wird die Bevölkerung nur noch in Ausnahmefällen durch

Sirenengeheul aufgeschreckt.

 

Für Hilfeleistungen, insbesondere bei Sturmeinsätzen, wurde eine gebrauchte Anhängeleiter beschafft.

Anhängeleiter AL 16 - Baujahr 1967, in Petershagen genutzt ab 1992
Anhängeleiter AL 16 - Baujahr 1967, in Petershagen genutzt ab 1992

Mit der Gründung des Doppeldorfes Petershagen/Eggersdorf wurde aus der selbstständigen Feuerwehr Petershagen eine Ortsfeuerwehr,

die gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr Eggersdorf die Gemeindefeuerwehr Petershagen/Eggersdorf bildet.

 

Die Gemeindevertretung hat im April 1994 den Ortswehrführer der FF Petershagen Hans-Dieter Kandzia für die Dauer von 6 Jahren zum Gemeindebrandmeister berufen.

 

Anfang 1995 wurde Kamerad Hauptfeuerwehrmann Thomas Gundel als neuer Jugendfeuerwehrwart eingesetzt.

 

Im April 1995 wurde mit Landes- und Gemeindemitteln ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/45 in Dienst gestellt. Dieses Fahrzeug ist extrem geländegängig und führt 4500 l Wasser mit. Es wurde speziell für die Waldbrandbekämpfung aufgebaut.

 

 

TLF 16/45, Tanklöschfahrzeug seit 1995
TLF 16/45, Tanklöschfahrzeug seit 1995

Zur ordnungsgemäßen Unterstellung der Feuerwehrfahrzeuge und Anhänger wurde 1996 eine Fertigteil-Fahrzeughalle mit 3 Fahrzeugplätzen in Eigenleistung errichtet und im September 1996 eingeweiht.

 

Die Anhängeleiter wurde mit eigenen Kräften generalüberholt.

Im April 1997 wurde die Vorfläche der neuen Fahrzeughalle in Eigenleistung durch eine Pflasterung befestigt. In diesem Jahr wurde auch in Eigenleistung ein Schlauchboot-Anhänger aufgebaut.

 

Im Oktober 1999 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 übergeben. Dieses Fahrzeug ist neben den normalen Brandbekämpfungsmitteln mit einem 600 l Wassertank und hydraulischen Schneid- und Spreizgeräten zum Retten und Bergen ausgerüstet.

Das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8 - LKW wurde einer Feuerwehr im Oderbruch zur Weiternutzung überlassen.

 

 

LF 8/6 Löschgruppenfahrzeugfahrzeug seit 1999
LF 8/6 Löschgruppenfahrzeugfahrzeug seit 1999
ABC-Erkundungskraftwagen seit  2002
ABC-Erkundungskraftwagen seit 2002

Im Sommer 2002 wurde der FF Petershagen im Rahmen des Katastrophenschutzes als erster Feuerwehr im Landkreis Märkisch-Oderland ein ABC-Erkundungsfahrzeug zur Messung, Probenentnahme und Kennzeichnung von atomaren, biologischen und chemischen Gefahrstoffen übergeben.

 

 

 

 

Mitte 2003 wurde Löschmeister Bernd Brauner neuer Jugendfeuerwehrwart.

 

Im Sommer 2004 begannen am Gerätehaus umfangreiche Bauarbeiten.

Nach einer Sanierung der Fertigteilgaragen wurden diese als Übergangsgerätehaus genutzt.

 

 

Übergangsgerätehaus Sommer 2004 – Herbst 2005
Übergangsgerätehaus Sommer 2004 – Herbst 2005
Gerätehaus Neubau
Gerätehaus Neubau

Das Gerätehaus wurde bis auf den Turm abgerissen und dafür ein 2-geschossiger Neubau mit 4 Fahrzeugstellplätzen und Schulungs-, Büro-, Werkstatt- und Sanitärräumen errichtet.

Mit der umfassenden Rekonstruktion des Gerätehauses wurden auch die Außenanlagen neu gestaltet.

Anfang 2005 feierte Gemeindebrandmeister Hans-Dieter Kandzia sein

30-jähriges Dienstjubiläum als Leiter der FF Petershagen. Seine Amtszeit als Wehrführer ist damit die bisher längste in der Geschichte der Petershagener Feuerwehr.

 

Die Gemeindevertreterversammlung beschloss, eine Straße in einer neuen Wohnsiedlung hinter dem Feuerwehrgerätehaus nach dem Gründer der Freiwilligen Feuerwehr „Wilhelm-Abel-Weg“ zu benennen.

 

Im September 2005 wurde mit einer feierlichen Schlüsselübergabe das rekonstruierte und erweiterte Gerätehaus der Feuerwehr Petershagen zur Nutzung übergeben.

 

Im Jahr 2008 wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug aus der Partnerstadt Petershagen/Weser endgültig wegen Verschleiß ausgemustert und verkauft.

 

Im gleichen Jahr organisierte die FF Petershagen eine große Typisierungsaktion zum Finden eines geeigneten Knochenmarkspenders für einen jungen, leukämiekranken Kameraden, an dem hunderte Bürger und Feuerwehrleute aus ganz Brandenburg teilnahmen.

Auch der Landesbranddirektor Henry Merz und der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Manfred Gerdes besuchten dabei das Gerätehaus in Petershagen.

 

Für die häufigen Hilfeleistungen bei umsturzgefährdeten Bäumen nach heftigen Stürmen wurde 2009 von der Gemeinde eine Hebebühne beschafft, die gemeinsam von den Feuerwehren Petershagen, Eggersdorf und dem Bauhof der Gemeinde genutzt wird. Dadurch konnte die nicht mehr den Unfallschutzvorschriften entsprechende Anhängeleiter ausgemustert und verkauft werden.

Als Einsatzfahrzeug für die immer mehr werdenden technischen Hilfeleistungen konnte im November 2010 mit Unterstützung durch Mitteln des Bundes ein moderner Rüstwagen mit umfangreichem Werkzeug und Material angeschafft werden.

 

Als besonderes Ausstattungsmerkmal verfügt der Rüstwagen über den Bahnrettungssatz mit zwei Schienenrollwagen, Rettungsplattform und Schleifkorbtragen. Der Rettungssatz-Bahn wurde einst von der Deutschen Bahn AG an den Landkreis übergeben.

2011 war mit 87 Einsätzen das bisher einsatzreichste Jahr in der Geschichte der FF Petershagen.

 

Im Februar 2012 beendete der Gemeindebrandmeister Kandzia nach 37 Jahren die zuletzt in Personalunion durchgeführte Tätigkeit als Petershagener Wehrführer.

Zum neuen Ortswehrführer in Petershagen wurde Oberbrandmeister Marco Rutter ernannt.